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VDI nachrichten

Biometrie schärft den Blick auf deutsche Pässe

Sicherheit: USA fordern biometrische Merkmale in Pässen - Marktzahlen vielfach zu optimistisch - Fingerprint hält den Löwenanteil

12.03.2004

Biometrische Erkennungsverfahren haben seit dem 11. September 2001 Konjunktur. Noch allerdings handelt es sich vielfach mehr um einen Hype als um echte Märkte. Doch die Biometrie kommt - wie auch die Messe CeBIT zeigen wird.

Nach Angaben der International Biometric Group (IBG), New York, wurden im vergangenen Jahr weltweit 928 Mio. $ mit biometrischen Produkten umgesetzt. Davon alleine 685 Mio. $ im Bereich Fingerprint-Erkennung. Keine Frage: Seit den Attentaten am 11.9.2001 haben Sicherheitsbehörden weltweit die Biometrie entdeckt. Gemeint sind Technologien zur Erkennung unveränderlicher körperlicher Merkmale. Neben dem Fingerabdruck sind das die Iris des Auges, Handumrisse, Stimme und das Gesicht selbst.

Optimistische Zahlen wie die der IBG seien jedoch nur Ergebnis aufgeblasener Vorstellungen und hätten nichts mit der Realität zu tun, kritisiert Maxine C. Most, Chefanalystin des Marktforschungsunternehmens Acuity aus Boulder, Colorado. Sie schätzt den Weltmarkt in 2003 auf maximal 400 Mio. $. Von einer systematischen Marktentwicklung sei die biometrische Industrie allerdings noch weit entfernt. Selbst große Anbieter wie NEC, Infineon oder STMicroelectronics hätten zwar die Technologien, "doch um einen echten Markt zu entwickeln, braucht es mehr." Trotz mancher prominenter Anbieter gebe es auch noch keine Marktführer. "Dafür ist die Durchdringung in vertikalen Märkten noch zu klein."

Dabei besetzt die Biometrie schon heute recht erfolgreich einige Marktsegmente: Fingerprint-Sensoren sichern Notebooks vor ungerechtfertigter Benutzung. Stimmerkennung ist z.B. ein bewährtes Mittel, um berechtigte EDV-Nutzer in Firmen automatisch zu erkennen, falls sie ihr Passwort vergessen haben. In dieser Situation kommt der Druck aus den USA, ab Oktober biometrische Merkmale in Pässen einzufügen, der Industrie möglicherweise gerade recht. Auch die EU hat sich prinzipiell für biometrische Merkmale in Pässen ausgesprochen. Federführend ist hier die Luftfahrtorganisation ICAO, die Gesichtserkennung präferiert. Experten unterscheiden scharf zwischen einer 1:1-Erkennung - ist die Person, die den Pass zeigt mit der dort abgebildeten identisch - und der von den USA intendierten 1:N-Erkennung - der Frage, ob es sich um bekannte Terroristen in einer Datenbank handelt.

"Wir reden bislang in Deutschland nur von einer 1:1-Erkennung", rückt NEC-Sprecher Ralf Wolf die Diskussion zurecht. NEC arbeitet bereits seit 30 Jahren an biometrischen Lösungen und kooperiert eng mit der Bundesdruckerei. Auf der CeBIT zeigt der japanische Hersteller das nach eigenen Angaben erste Gerät zur 3-D-Gesichtserkennung.

   
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